Belauscht mich mein Smarthone? – Ein Selbsttest

Vielleicht hast du das auch schon einmal erlebt: Du sprichst mit einem Freund darüber, dass du im Sommer unbedingt einen Städtetrip nach Berlin machen willst, und prompt wird dir Werbung für günstige Hotels in Berlin angezeigt. Nur purer Zufall? Oder hat dein Smartphone euer Gespräch belauscht?

Wann kann mein Smartphone mithören?

Im Prinzip kann dein Smartphone immer dann mithören, wenn du einer App eine Zugriffsberechtigung auf das interne Mikrofon gegeben hast. Damit lässt sich allerdings noch nicht pauschal sagen, dass deine Gespräche im Hintergrund ständig mitgehört werden, sobald sich ein Smartphone im Raum befindet.

Erwünschtes Mithören

Nehmen wir Sprachassistenten-Apps wie Siri und Google Assistant als Beispiel. Befinden sich diese im Standby-Modus hören sie deine Gespräche im Normalfall nicht mit. Erst wenn sie durch ein Signalwort aktiviert werden, zeichnen sie das, was du sagst auf, und leiten es zur Verarbeitung anonymisiert an interne Server weiter. Je nachdem welche Einstellungen du im Vorfeld vorgenommen hast, werden deine Daten dann nicht nur zur Verbesserung der Spracherkennung verwendet, sondern auch für Marketingzwecke. 

Wenn du deinen Google Assistant also z. B. aktiv nach dem besten Hotel in Berlin fragst, ist es durchaus möglich, dass dir danach entsprechende Werbeanzeigen von Berliner Hotels angezeigt werden. Durch deine Zustimmung der entsprechenden Nutzungsbedingungen ist das legal.

Unerwünschtes Mithören

Leider gibt es keine Garantie dafür, dass dein Smartphone nicht doch mal ungewollt im Hintergrund mithört.
Wenn wir beim Beispiel der Sprachassistenten bleiben, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Pannen, bei denen sich Siri und Co. von selbst aktivierten, nachdem sie ein ähnlich klingendes Wort als Signalwort interpretierten. Auch wenn das nicht der Normalfall ist, kann es dadurch natürlich vorkommen, dass dabei Informationen mitgehört werden, die du anschließend in personalisierter Werbung wiederfindest. Von bösartigem, illegalen Abhören kann in diesem Kontext zwar nicht wirklich die Rede sein, trotzdem kann die Fehlbarkeit einer noch relativ jungen Technologie grobe Eingriffe in die Privatsphäre verursachen. 

Auch bei anderen Apps, denen wir Zugriff auf unser Mikrofon gewähren, wie z. B. WhatsApp und Co., kann man nicht immer ausschließen, dass sie im Hintergrund mithören – selbst im inaktiven Zustand. 

Teste, ob dein Smartphone heimlich mithört!

Um herauszufinden, ob du ungewollt von deinem Smartphone belauscht wirst, kannst du einen einfachen Selbsttest machen – alleine oder mit ein paar Freunden zusammen. 

  1. Thema aussuchen
    Suche dir zunächst ein Thema aus, über das du reden willst. Da Google in der Regel bereits ein detailliertes Persönlichkeitsprofil über dich vorliegt, sollte dein Thema möglichst mit keiner deiner Interessen, Charaktereigenschaften etc. in Verbindung gebracht werden können. Wähle am besten ein Produkt, dass du niemals kaufen würdest, wie z. B. einen Taucheranzug oder ein Snowboard. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Je unerwarteter für den Algorithmus, desto aussagekräftiger das Ergebnis.
  2. Schlagwörter suchen
    Denke dir passend zu deinem Thema ein paar Schlagwörter aus, von denen du denkst, dass sie Suchmaschinen relevant wären. Beim Thema “Städtetrip nach Berlin” könnte das z. B. sein “Berlin Sightseeing”, “Hotels in Berlin” oder “Restaurants in Berlin”.
  3. Thema unter Verschluss halten
    Achte darauf, dass du vor dem Test nicht laut über dein Thema und die entsprechenden Schlagwörter sprichst während dein Handy daneben liegt. Außerdem darfst du die Wörter auf keinen Fall im Vorfeld googeln, um das Experiment nicht zu verfälschen. Dein Smartphone soll nur über das Mithören die Möglichkeit haben, mit deinem Thema in Kontakt zu kommen!
  4. Über Thema sprechen
    Nun das eigentliche Testgespräch: Rede für ein paar Minuten am Stück über dein ausgewähltes Thema während sich dein Smartphone in direkter Nähe befindet. Wiederhole dies an 3-4 Tagen. Achte auch während der Testtage darauf, keines der Schlagwörter zu googeln.

Wird dir nach dem Test Werbung angezeigt, die mit deinem Thema übereinstimmt, besteht durchaus die Möglichkeit, dass dein Smartphone tatsächlich im Hintergrund mitgehört hat. Mit absoluter Sicherheit lässt sich das allerdings auch nach dem Test nicht sagen, denn auch andere Faktoren können einen Einfluss darauf haben, welche Werbung dir angezeigt wird. So z. B. deine Benutzerdomäne, die Nutzungsbedingungen deiner Apps und die Einstellungen zum Schutz deiner Privatsphäre.

Wie kann ich mich vor unerwünschtem Mithören schützen?

Mit diesen einfachen Tipps kannst du das Mithören deines Smartphones deutlich reduzieren:

  • Überprüfe deine App-Berechtigungen
    Gehe die Liste deiner Apps durch und stelle in den Einstellungen sicher, dass nur die Apps Zugriff auf dein Mikrofon haben, die es für ihre Funktion auch wirklich benötigen. Während du Sprachassistenten-Apps wie Siri und Co. ohne Mikrofonzugriff gar nicht nutzen kannst, funktioniert die Wetter-App z. B. ohne Probleme.
  • Decke dein Mikrofon ab
    Willst du auf Nummer sicher gehen kannst du kleine Sticker oder Klebeband auf die Mikrofonöffnung deines Smartphones kleben und so seine Aufnahmefähigkeit bereits deutlich einschränken. Spezielle Handyhüllen versprechen sogar 100-prozentigen Schutz vor unerwünschtem Mithören.
  • Setze deinen Sprachassistenten bewusst ein
    Je mehr du Siri und Co. über dich preisgibst, desto schlechter für deine Privatsphäre. Überlege dir deshalb im Vorfeld, was du deinem Sprachassistenten sagst. Denn alles, was du sagst und suchst, teilst du auch. 
  • Lösche deinen Verlauf
    Zur Funktionsverbesserung von Sprachassistenten wird jeder Sprachbefehl gespeichert. Fühlst du dich unwohl damit, solltest du den Verlauf deiner Sprachbefehle regelmäßig löschen.
  • Deaktiviere deinen Sprachassistenten
    Überlege, wie oft und wofür du deine Sprachassistenten-App wirklich nutzt. Ist sie nur ein lustiges Gimmick? Dann kannst du wohlmöglich auf sie verzichten und sie deaktivieren. Anders als im Standby-Modus kann sie sich so nicht versehentlich aktivieren.