Apples neues Programm: Self Service Reparatur

Mit der Self Service-Reparatur geht ein langersehnter Wunsch in Erfüllung: Apple stellt seine Originalersatzteile zur Verfügung!

Lange hat sich Apple dagegen gesträubt, Privatkunden Anleitungen und originale Ersatzteile für Reparaturen zur Verfügung zu stellen. Doch im November vergangenen Jahres dann der Meinungswandel: Apple kündigt sein neues Programm an – die Self Service Reparatur. Diese ist in den USA Ende April nun offiziell gestartet.

In diesem Blogartikel wollen wir einmal genauer beleuchten, was hinter der Self Service Reparatur steckt und inwieweit dadurch unabhängige Reparateure unterstützt werden.

Inhalt

Was ist die Self Service Reparatur?

Wie genau funktioniert die Self Service Reparatur?

Self Service Reparatur = Reparaturfreundlichkeit?

Fazit

Was ist die Self Service Reparatur?

Die Self Service Reparatur ist ein neues Programm von Apple, das im April 2022 gestartet ist.

Über einen eigens eingerichteten Online-Store stellt Apple nun auch Privatpersonen originale Apple-Ersatzteile, Spezialwerkzeuge und Reparaturanleitungen bis zu sieben Jahre zur Verfügung. Der kalifornische Technikriese ermöglicht damit also endlich die langersehnte unabhängige Reparatur seiner Geräte, ohne, dass Gerätefunktionen verloren gehen.

Vorerst läuft das Programm nur in den USA, mit insgesamt etwa 200 Ersatzteilen und Werkzeugen für das iPhone 12, 13 und SE (3rd generation). Im Laufe diesen und nächsten Jahres sollen aber weitere Länder, Bauteile und Geräte (z. B. MacBooks) in das Programm aufgenommen werden. Unklar bleibt dabei jedoch, ob auch ältere Geräte-Modelle folgen werden.

Wie genau funktioniert die Self Service Reparatur?

Entscheidest du dich dazu, dein iPhone selbst zu reparieren, gehst du folgendermaßen vor:

1. Anleitung lesen

Lese dir zunächst in Ruhe die Reparaturanleitung zu deinem Gerät durch, um dich mit den verschiedenen Schritten, Werkzeugen und Teilen des iPhones vertraut zu machen.

In der Anleitung findest du auch die Anleitungs-ID, die du für den Kauf des Ersatzteils angeben musst. Auf diese Weise möchte sich Apple absichern und sichergehen, dass du die Anleitung auch wirklich gelesen hast.

2. Ersatzteil und Werkzeug bestellen


Bestelle das passende Ersatzteil und Werkzeug im eigens eingerichteten Self Service Repair Store, der von einem Drittanbieter betrieben wird. Für die Bestellung musst du die ID der Reparaturanleitung sowie die IMEI deines Smartphones angeben. Letztere ist wohl für das Konfigurieren einiger Bauteile nötig, die nur mit Part Pairing funktionieren.

Die originalen Ersatzteile und Werkzeuge, die du bestellen kannst, sind dieselben, die auch von Apple Authorized Service Providern und Apple-internen Reparateuren verwendet werden. Da es sich bei den Werkzeugen teilweise um teures Spezialwerkzeug handelt, können diese auch gemietet werden.

3. Gerät reparieren

Folge den Anweisungen der Reparaturanleitung und repariere dein Gerät mit dem originalen Apple-Ersatzteil sowie dem passenden Werkzeug.

Je nach Reparatur und Bauteil kann es sein, dass dein Gerät noch eine System-Konfiguration braucht, um potenzielle Einschränkungen durch Part Pairing zu verhindern. Die entsprechende Information findest du in der Anleitung. Die Konfiguration wird durch das Support-Team des Self Service Repair Stores durchgeführt, das du telefonisch, oder per Chat kontaktieren kannst.

4. Altes Bauteil recyclen

Schicke das Bauteil, das du ausgetauscht hast zurück, damit es recycelt werden kann. Für einige Bauteile erhältst du eine Gutschrift beim Kauf des originalen Ersatzteils.

Self Service Reparatur = Reparaturfreundlichkeit?

Das neue Programm von Apple ist definitiv ein großer Schritt in die richtige Richtung. Dennoch lässt sich noch einiges verbessern, um wirklich von mehr Reparaturfreundlichkeit sprechen zu können. Während unabhängige Reparatureinrichtungen fast gar nicht vom neuen Programm profitieren, ist auch für Privatpersonen nur bedingt ein Fortschritt erkennbar.

Privatpersonen

Wie viel Fortschritt in Sachen Reparaturfreundlichkeit bietet das Programm für Privatpersonen?

Ersatzteile

Nimmst du als Privatperson am neuen Apple-Programm teil, hast du nach der Reparatur deines iPhones im Normalfall keinerlei Einschränkungen mehr zu befürchten. Musstest du sonst beispielsweise nach dem Displaytausch mit dem Verlust von True Tone leben, ist das mit den originalen Ersatzteilen nun nicht mehr der Fall.

Der Haken: Apple hält weiterhin an seiner Part Pairing-Strategie fest. Damit also keine Einschränkungen auftreten, muss z. B. im Anschluss an den Displaytausch noch eine System-Konfiguration vorgenommen werden (das, was sonst auch bei einer Apple-internen Reparatur passiert). Was das ganze etwas umständlich macht: Du musst dafür das Support-Team des Self Service Repair Stores kontaktieren.

Ob Apple die entsprechende Software mit der Zeit für alle frei zugänglich macht, bleibt abzuwarten. Eine wirklich unabhängige Reparatur sieht nach unserem Verständnis anders aus. Immerhin kann das iPhone jetzt bequem von zu Hause aus konfiguriert werden.

Die Auswahl an Ersatzteilen im Self Service Repair Store bleibt insgesamt auch noch sehr überschaubar – so wird beispielsweise der essentielle Lightning Connector gar nicht angeboten. Die einzelnen Originalersatzteile sind dazu auch relativ teuer. Das Programm wurde außerdem nur mit den neuesten iPhone-Modellen gestartet. Für das iPhone 11 Pro, bei dem nach zwei Jahren langsam der Akku schwächelt, findest du also kein Originalersatzteil, dafür aber für das iPhone 13, das gerade erst neu auf den Markt gekommen ist.

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Anleitungen & Werkzeuge

Bei den von Apple angebotenen Werkzeugen handelt es sich teilweise um große, hochspezialisierte Geräte. So wird beispielsweise eine Displaypresse angeboten, mit der sich die Wasserdichtigkeit nach der Reparatur wieder herstellen lässt. Definitiv eine coole Sache, aber doch eher für eine professionelle Reparaturwerkstatt als den Ottonormalbürger.

Auch die Zielgruppe der Anleitung scheint durch den Einsatz der komplexen Werkzeuge eher technisches Fachpersonal zu sein. Die Menge an benötigten Werkzeugen lässt eine einfache Smartphone-Reparatur schon fast wie eine Expedition zum Mond wirken. Eine alltagstaugliche Alternative wird nicht genannt.

Es bleibt die Frage, ob Apple hier bewusst von einer Reparatur abschrecken will. Schließlich betont der Technikgigant auch nach der Einführung der Self Service Reparatur immer noch, dass eine iPhone-Reparatur für den Laien sehr komplex ist und sich das Programm deshalb voranging an technisch versierte Personen richtet.

Wer sich davon noch nicht abschrecken lässt, fängt vielleicht spätestens beim Preis der Werkzeuge an zu schlucken. Wobei erwähnt werden muss, dass Apple diese auch im Set zu einem deutlich günstigeren Preis verleiht. Rechnet man Ersatzteil und das Ausleihen von Werkzeug zusammen, ist die Self Service Reparatur sogar teurer, als wenn man sein iPhone direkt von Apple reparieren lässt. Eine eigenständige Reparatur bleibt dadurch also unterm Strich weiter unattraktiv.

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Unabhängige Reparaturdienstleister

Wie viel Fortschritt in Sachen Reparaturfreundlichkeit bietet das Programm für unabhängige Reparaturdienstleister?

Ersatzteile

Da für den Kauf jedes originalen Ersatzteils bislang die IMEI des zu reparierenden Geräts angegeben werden muss, verhindert dies, dass kleine Reparaturshops größerer Ersatzteilmengen bestellen können.

Zwar kann trotzdem für einzelne Kundenaufträge bestellt werden, aber selbst dann bleibt das Ersatzteil verhältnismäßig teuer. Ein teures Ersatzteil macht auch die Reparatur teurer und senkt dadurch deren Attraktivität.

Verbauen Reparaturdienstleiter weiterhin nicht-originale Ersatzteile, um einen besseren Preis erzielen zu können, treten aufgrund des Part Pairings Einschränkungen auf (z. B. Verlust von TrueTone). Wollen sie komplett unabhängig von Apple bleiben, haben sie also einen klaren Wettbewerbsnachteil. Werden unabhängige Reparaturdienstleister zu sogenannten Apple Authorized Service Providern, bekommen sie von Apple zwar Zugriff auf originale Ersatzteile und die Apple-interne Konfigurations-Software, aber auch dadurch verbessert sich laut dem Reparaturtechniker Louis Rossmann ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht nennenswert.

Anleitungen & Werkzeuge

Selbst die ausführlichen Anleitungen bieten für Reparaturprofis keinen nennenswerten Mehrwert, da sie in der Regel schon eine Reparaturroutine haben. Der einzige wirkliche Nutzen, den unabhängige Reparateure vom Self Service Reparatur-Programm haben, ist, dass sie originale Apple-Werkzeuge bestellen können, auf die sie vorher keinen Zugriff hatten. Der Preis ist für einen Reparaturbetrieb dabei relativ fair, da die Werkzeuge hier nicht nur einmal benutzt werden, sondern im Dauereinsatz sind.

Fazit

Apples neues Self Service Reparatur-Programm ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Endlich muss nicht mehr mit Einschränkungen nach der Reparatur gerechnet werden! Dennoch reichen die Bemühungen noch nicht aus, um von einer einer wirklichen Verbesserung der Reparaturfreundlichkeit sprechen zu können:

  • Bislang sind nur wenige Ersatzteile verfügbar
  • Preise für originale Ersatzteile und Werkzeug sind hoch
  • Einsatz von Spezialwerkzeugen wirkt abschreckend
  • Kein niederschwelliger Zugang zur Konfigurations-Software vorhanden
  • Part Pairing verhindert weiterhin fairen Wettbewerb für unabhängige Reparateure

Vor allem durch seine Part Pairing Strategie legt Apple unabhängigen Reparateuren leider immer noch bewusst Steine in den Weg, und behält so weiterhin die volle Kontrolle über Preis und Zugang von originalen Ersatzteilen. Ein fairer Wettbewerb würde die Preise für Reparaturen senken und somit deren Attraktivität steigern. Genau das scheint Apple aber weiterhin verhindern zu wollen, um sich sein Reparatur-Monopol zu sichern.

Man kann also durchaus die Frage stellen, ob die Self Service Reparatur wirklich das Ziel hat, Reparaturen zu fördern. Oder ging es Apple mit seinem Programm hauptsächlich darum, dem Druck von US-Regierung und Presse nachzugeben (Stichwort: Recht auf Reparatur) und sein Image aufzupolieren?

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Programm in Zukunft weiterentwickelt, und wie das Ganze für den europäischen Markt funktionieren wird…