“Mein Handy ist wasserdicht.” & weitere Mythen im Check

Es ranken sich viele Mythen um dein Handy – Es ist wasserdicht, an der Tankstelle herrscht Explosionsgefahr, SMS bringen Viren mit sich. Doch was ist wirklich dran? Wir haben uns die acht hartnäckigsten Aussagen angeschaut und zeigen, was wirklich dran ist.

Hast du weitere Mythen, die wir für dich klären sollen? Dann schreibe uns in den Kommentaren!

Dein Handy ist wasserdicht. 

Mythos: Du kannst dein Handy ruhig mit in die Badewanne nehmen. Auch Unter-Wasser-Fotos sind kein Problem. Dein Handy hat ja eine IP68-Zertifizierung.

Wahrheit: Heutzutage werben die meisten Hersteller mit einem wassergeschützten Smartphone. Um dies zu unterstützen, werden viele Handys zertifiziert. IP65, IP67, IP68 – diese Angaben sind dir wahrscheinlich nicht fremd. Die erste Ziffer steht dabei für den Geschützt vor Staub, die zweite für den Wasserschutz. Je höher die Zahl, desto besser der Schutz.

Schutz vor Fremdkörpern

  • 0: Ohne Schutz
  • 1: Geschützt vor festen Fremdkörpern (Ø ab 50 mm)
  • 2: Geschützt vor festen Fremdkörpern (Ø ab 12,5 mm)
  • 3: Geschützt vor festen Fremdkörpern (Ø ab 2,5 mm)
  • 4: Geschützt vor festen Fremdkörpern (Ø ab 1,0 mm)
  • 5: Geschützt vor Staub in nicht schädigender Menge
  • 6: Staubdicht

Schutz vor Wasser

  • 0: Ohne Schutz
  • 1: Geschützt vor Tropfwasser
  • 2: Geschützt vor fallendem Tropfwasser (bis zu 15° Neigung)
  • 3: Geschützt vor fallendem Sprühwasser (bis zu 60° gegen die Senkrechte)
  • 4: Geschützt vor allseitigem Spritzwasser
  • 5: Geschützt vor allseitigem Strahlwasser (Düse)
  • 6: Geschützt vor allseitigem starkem Strahlwasser (Düse)
  • 7: Geschützt vor kurzem Untertauchen (30 min bis 1 m Tiefe)
  • 8: Geschützt vor dauerndem Untertauchen (Tiefe laut Hersteller)
  • 9: Geschützt vor Wasser bei Hochdruck- / Dampfstrahlreinigung

Wasserschutz ist also nicht gleich Wasserschutz. Hinzu kommt die Problematik, wie die Zertifizierung  getestet wird: unter Laborbedingungen. Das heißt, es kommt nur sauberes Wasser an das Handy. Wie sich dein Gerät in Chlor- oder Salzwasser oder sogar in anderen Flüssigkeiten verhält, wird dabei nicht untersucht.

Außerdem empfehlen selbst die Hersteller, das “aktive Testen” des Wasserschutzes zu vermeiden. Apple gibt beispielsweise an, das ein iPhones trotz IP68-Zertifizierung nicht absichtlich ins Wasser getaucht werden sollte. Durch die tägliche (Ab-) Nutzung deines Handys ist der Schutz nämlich nicht von Dauer. Deshalb deckt die Garantie keine Flüssigkeitsschäden. Die Nachweispflicht, dass der Schaden durch einen Produktionsfehler und nicht durch Eigenverschulden entstanden ist, liegt beim Handybesitzer.

Fazit: Der Mythos ist wahr und falsch. Die IP-Zertifizierung beweist den Schutz vor Wasser. Jedoch sind die Voraussetzungen dafür nicht wirklich alltagstauglich – sauberes, klares Wasser, keine Haarrisse oder andere kleine Beschädigungen, und ab wann ist der Schutz eigentlich abgenutzt? – , dass diese unter normalen Voraussetzungen kaum nachvollziehbar sind. 

Das Handy muss ab und zu ausgeschaltet werden.

Mythos: Damit dein Smartphone ruckelfrei läuft, solltest du es öfter mal ausschalten. Die Pause steigert die Performance dauerhaft.

Wahrheit: Es gibt nur zwei Gründe, wieso du dein Handy ausschalten solltest: Du willst gerade einfach deine Ruhe haben. Oder dein Handy ist überhitzt. Die dauerhafte Performance-Steigerung gehört nicht dazu. Denn was passiert, wenn du dein Handy ausschaltest? 

Zum einen fährt der Prozessor durch das Ausschalten runter. Dadurch kann er Wärme abgeben und seine Normaltemperatur erreichen. Allerdings musst du dafür nicht unbedingt dein Handy ausschalten – Die Auslastung deines Prozessors regelt es von selbst. 

Außerdem wird der Arbeitsspeicher geleert, also beispielsweise Apps und flüchtige Daten geschlossen. Das passiert allerdings auch, wenn das Handy angeschalten ist. Dieser Prozess wird von der Software geregelt, ohne dass du etwas mitbekommst. Zusätzlich lernt das System auf diese Weise und passt sich automatisch deiner Nutzung an. Durch das Schließen der Apps wird die Performance nach dem Neustart zwar kurzfristig verbessert, aber sobald du die Anwendungen wieder startest, verpufft der Effekt. Einen nachhaltigen positiven Effekt hat das Ausschalten also nicht.

Fazit: Die Aussage ist falsch. 

Ein Akku muss mindestens einmal komplett Entladen werden. 

Mythos: Damit dein Handyakku seine volle Leistung entfalten kann, musst du ihn vor dem ersten Gebrauch einmal komplett entladen lassen.

Wahrheit: Für die Herstellung eines Smartphones kommt heutzutage fast immer ein Lithium-Ionen-Akkus zum Einsatz. Durch eine komplette Entladung wird die Batterie stark belastet, was die Lebensdauer sogar negativ beeinflusst. Das liegt an der Funktionsweise eines Lithium-Ionen-Akkus.

Der Mythos ist durch frühere Handys entstanden. Hier verbaute man Nickel-Cadmium-Batterien. Diese Art Akkus scheint den Energiebedarf zu speichern. Man spricht vom Memory-Effekt. Deshalb war es früher üblich, sein Handy immer bis zur vollständigen Entladung zu nutzen, damit der Akku weiterhin die ursprüngliche Energiemenge verfügbar macht.

Fazit: Der Mythos ist veraltet. Bezogen auf die mittlerweile weit verbreiteten Lithium-Ionen-Akkus ist er komplett falsch.

Eine Handyreparatur ist zu schwierig für Laien.

Mythos: Dein Handy selbst zu reparieren ist nur etwas für Experten. Anfänger sind nicht im Stande, ihr Smartphone wieder zum Laufen zu bringen. 

Wahrheit: Zugegeben, eine Handyreparatur solltest du nicht auf die leichte Schulter nehmen. Immerhin möchtest du, dass dein Gerät nach der Reparatur wieder funktioniert. Etwas Geduld und Fingerspitzengefühl solltest du deshalb mitbringen. Aber: Mit der richtigen Ausstattung kann jede(r) sein Handy reparieren! Dazu gehört ein vernünftiges Ersatzteil, passendes Werkzeug und eine verständliche Anleitung. Mehr braucht es nicht. Einfacher wird es, wenn du ein paar Tipps und Kniffe kennst und dich vorab gut über die bevorstehende Reparatur informierst.

Handy wasserdicht und weitere Mythen im Check - Reparaturszene eines Laien
Mit der richtigen Ausstattung kann jede(r) sein Handy reparieren.

Fazit: Mehr als 2,1 Millionen gesehene Videotutorials und fast 1 Millionen Aufrufe unserer Foto-Anleitungen, allein im letzten Jahr, zeigen, wie viele Leute eine Reparatur Zuhause wagen. Unzählige Kommentare beweisen deren Erfolg. Da es für den Beruf des Handytechnikers keine Ausbildung gibt, und somit selbst die Reparaturexperten in Werkstätten – auch wir bei iDoc – Quereinsteiger sind, beweist die Unwahrheit dieser Aussage. Jeder hat mal angefangen.

Telefonieren an der Tankstelle ist gefährlich.

Mythos: Handys verboten! Der Hinweis hängt an fast jeder Tankstelle. Denn wenn du beim Tanken telefonierst, gefährdest du dich und deine Umgebung.

Wahrheit: Viele Leute denken, dass das Verbot aufgrund der Handystrahlung während der Nutzung ausgesprochen wurde. Das ist allerdings Unsinn! Denn nicht das Telefonieren ist gefährlich, sondern der Akku stellt eine mögliche Gefahr dar. Konkret geht es dabei um folgendes Szenario: Dein Handy fällt dir runter, der Akku löst sich, fällt heraus und dadurch entstehen Funken. Diese entzünden sich aufgrund von verschüttetem Benzin. Bis jetzt ist allerdings noch kein solcher Fall bekannt.

Fazit: Die Aussage für sich genommen ist richtig. Es gibt einen Grund, wieso die Handynutzung an einer Tankstelle untersagt ist.

SMS übertragen Viren auf dein Handy. 

Mythos: Empfängst du eine SMS, kann es sein, dass Viren auf dein Handy übertragen werden.

Wahrheit: Nachrichten wie SMS oder WhatsApp-Messages können keine Viren übertragen. Allerdings können empfangene Daten, für die du auf das Internet angewiesen bist, Malware enthalten. Das betrifft beispielsweise MMS oder Dateien, die du via WhatsApp bekommst. Hier können Viren enthalten sein, die sich durch Download auf deinem Handy verbreiten. Das gleiche gilt für fremde Links von unbekannten Kontakten. Bei Klick kann ebenfalls ein Download von Malware starten. Hinterfrage deshalb immer, was du herunterlädst und auf welchen Link du klickst. Diese Regel gilt also nicht nur für die PC-Nutzung, sondern auch fürs Smartphone.

Fazit: Die Aussage ist falsch. Vor Viren geschützt ist dein Handy dennoch nicht.

Je mehr Pixel die Kamera hat, desto besser werden deine Fotos. 

Mythos: Hersteller übertrumpfen sich gegenseitig mit immer besser werdenden Kameras. Die Anzahl der Megapixel steht dabei im Mittelpunkt. Eine Kamera mit 12 MP macht bessere Fotos als eine Kamera mit nur 8 MP.

Wahrheit: Viele Faktoren beeinflussen dein Fotoergebnis. Ein tolles Bild ist ein Zusammenspiel aus Kameralinse, Bildsensor und nicht zuletzt dem Menschen hinter der Kamera. Wird die Pixelanzahl erhöht, müssen auch andere Komponenten mitziehen

Allerdings war die Pixelanzahl zu Anfang der digitalen Fotografie tatsächlich ein entscheidender Faktor für die Bildschärfe. Wahrscheinlich hält sich der Mythos deshalb so lange.

Fazit: Diese Aussage ist falsch. 

Der Flugmodus schützt vor Flugzeugabstürzen.

Mythos: Während eines Fluges darfst du dein Handy nur im Flugmodus verwenden. Der Daten-Transfer würde sonst die Bordelektronik stören, was sich negativ auf die Sicherheit auswirkt.

Wahrheit: Kennst du das Störgeräusch, wenn dein Handy neben einem Radio liegt? Es kann tatsächlich auch auf einem Flug vorkommen, dass Piloten leichte Störgeräusche auf ihren Kopfhörern wahrnehmen. Vor allem beim Start und der Landung ist das gefährlich, da der Pilot ständig Anweisungen des Bodenpersonals bekommt und diese natürlich auch verstehen muss.

Fazit: Diese Aussage ist richtig.