Dein Smartphone ist ins Wasser gefallen?

Du bist im Urlaub und liegst am Strand, die Sonne brennt dir auf den Pelz und du suchst deine Abkühlung im Wasser? Leider hast du deinen alltäglichen Helfer noch in der Hosentasche gehabt und jetzt ist dein Smartphone ein Aquarium. Wir zeigen dir was du jetzt machen kannst, damit sich der Schaden in Grenzen hält und dein Gerät vielleicht gerettet werden kann.

Es ist natürlich nicht immer das Meer, in dem die Geräte gewässert werden. Oft fällt ein Smartphone der Toilette zum Opfer oder nimmt in Folge des eigenen morgendlichen motorischen Unvermögens ein Bad im Kaffee. Ich könnte hier noch viele Möglichkeiten aufzählen, aber das Ergebnis ist meist dasselbe und wir befassen uns jetzt lieber mit dem ersten und wichtigsten Schritt.

„Don’t Panic“

…lauten die ersten Worte in Douglas Adams‚ Sci-Fi Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“. Und genau das solltest du auch nicht. Dein Gerät ist schon im Wasser gewesen, der Schaden ist bereits vorhanden, du kannst ihn jetzt nur begrenzen. Dennoch solltest du dir bei den folgenden Schritten nicht zu viel Zeit lassen.

Bekomme dein Smartphone schnellstmöglich stromlos. Das heißt entferne den Akku! Wenn der Akku fest verbaut ist, schalte dein Gerät nach Möglichkeit aus. Wenn auch das nicht geht, besorge dir das passende Werkzeug, öffne dein Gerät und löse den Akkukontakt. Wenn du nicht weisst, welches Werkzeug du benötigst oder wie dein Gerät zu öffnen ist, schaue dich in unseren Anleitungen um. Ab jetzt kannst du durchatmen, denn der wichtigste Schritt ist geschafft.

Abb. 1 - Wasserschaden: Ober- und Unterseite der Platine eines iPhone 5s mit Abschirmhauben

Abb. 1 – Wasserschaden: Ober- und Unterseite der Platine eines iPhone 5s mit Abschirmhauben

Welche Auswirkungen hat das Wasser?

Das in dein Smartphone eingetretene Wasser führt im ersten Moment des Eintritts in das Gerät zu Kurzschlüssen. Durch diese Schlüsse wird der Strom nicht auf den vorgegeben Bahnen geführt. Es kann dadurch zu Beschädigungen von Bauteilen, Platine und Akku kommen. Meist wird der Akku komplett entladen und/oder dessen Schutzschaltung schaltet sich ein.

Das Wasser, was uns im Alltag umgibt ist in der Regel nicht rein. Ich meine damit nicht, dass es giftig ist. Ich spreche hier von gewöhnlichem Trinkwasser, Meerwasser oder Wasser in unseren Getränken. Reines Wasser kommt für gewöhnlich nicht in unserer Natur vor. Es enthält keine Mineralien, Säuren oder Basen. Erst die eben genannten „Verunreinigungen“ lassen das Wasser leitend werden. Sie sind sogenannte Ladungsträger.

Die Leitfähigkeit des „unreinen“ Wassers und die enthaltenden Mineralien führen im Zusammenhang mit dem fließenden Strom zu einem weiteren Problem.

Elektrolyse

Die Elektrolyse ist ein elektrochemischer Prozess, der dazu führt dass die positiv bzw. negativ geladenen Ionen (aus Mineralien, Säuren, Basen) im Wasser zum jeweils entgegengesetzt geladenen Pol (Anode bzw. Kathode) wandern. Die Pole bilden dabei ungewollt die Anschlüsse der Bauteile, die Pins der Steckkontakte oder die freiliegenden Messpunkte und Leiterbahnen auf der Platine.

Was man bei näherer Betrachtung auf der Platine jetzt sieht, sind grünlich-weiße Ablagerungen (Grünspan, Abb. 2 + Abb. 4) an den Bauteilen, schwarz-rostbraune oder schon stark zersetzte Bauteilanschlüsse und rostende Schrauben und Bleche.

Weitere Schritte

Dein nächster Schritt: Trockne dein Gerät. Aber wie? Nicht im Backofen oder in der prallen Sonne, nicht mit Reis in einer Tüte und auf gar keinen Fall in der Mikrowelle! Der Backofen ist nicht allzu genau regelbar und darüber hinaus ist es unhygienisch. In der Sonne sind die Temperaturverhältnisse noch schlechter einzuschätzen. Der Reis entzieht der Luft, entgegen unzähliger Einträge im Netz, keine Feuchtigkeit und mit einer geschlossenen Kunststofftüte hältst du die Feuchtigkeit schön in deinem Smartphone.

Abb. 2 - Wasserschaden: Ober- und Unterseite der Platine eines iPhone 5s ohne Abschirmhauben

Abb. 2 – Wasserschaden: Ober- und Unterseite der Platine eines iPhone 5s ohne Abschirmhauben

Es empfiehlt sich das Gerät zu öffnen, damit die Feuchtigkeit/das Wasser besser entweichen kann. Sollte dir das nicht möglich sein, ist das aber kein Hindernis. Trockne dein Gerät an einem warmen, trockenen Platz. Die Luft sollte sich auch gut verteilen können, damit die Feuchtigkeit auch abtransportiert werden kann. Du solltest das Gerät dabei mindestens 24 Stunden trocknen lassen. Wende dein Gerät auch gelegentlich, damit die Feuchtigkeit aus jedem Teil des Gerätes entweichen kann.

Langzeitschäden

Das Wasser führt über die anfangs besprochenen Schäden hinaus zu Korrosion der metallischen Teile im Gerät. Sowohl Gehäuse und Schrauben, als auch Platine und Bauteile werden angegriffen. Wie der Rost an den Blechen von Autos, ist die Oxidation nur aufzuhalten, wenn man die verrosteten Teile vollkommen ersetzt. Leider hast du  die Möglichkeit bei einer Platine nicht. Der Vorgang lässt sich bei einer Platine nicht aufhalten, da man sie nicht ersetzen kann. Dennoch kann diese Reaktion verlangsamt werden.

Benötigt wird

Bevor die Reinigung der Hauptplatine beginnen kann, muss diese zuerst ausgebaut werden. Unsere Anleitungen zeigen dir Schritt für Schritt, wie du die Platine ausbauen kannst. Die folgenden Utensilien (Abb. 3) benötigst du für die Reinigung:

  • Heißluft mit großer Düse, 500°C
  • Pinzette
  • Platinenhalter
  • Aluminiumklebeband
  • Ultraschallbad mit Korb, je 100W Ultraschallleistung und Wärmeleistung, Bsp. EMAG Emmi 12 HC
  • Reinigungsflüssigkeit, Bsp. EM303
  • destilliertes Wasser
  • reinen Alkohol, Isopropanol >96%
  • einen Messbecher
  • 2 kleine Wannen
  • Pinsel und/oder Bürste
  • Stofftuch oder Haushaltstücher
  • Druckluft
Abb. 3 - Reinigungsutensilien: Ultraschallbad, Messbecher, destilliertes Wasser, usw.

Abb. 3 – Reinigungsutensilien: Ultraschallbad, Messbecher, destilliertes Wasser, usw.

Vorbereitungen

Nachdem du die Hauptplatine entfernt hast, musst du diese evtl. für die Reinigung vorbereiten:

  • Entferne alle Schutzfolien, Schaum und Etiketten
  • Löse alle Antennenleitungen und sonstige Steckteile
  • Entferne, die metallischen Hauben (Abb. 1 + Abb. 2) von der Platine.

Die Hauben sollen Signale von der Platine bzw. von Außen abschirmen. Leider sind die Hauben Funktionsbedingt nicht Luft-/Wasserdicht und somit sammeln sich eingetretene Flüssigkeiten auch darunter. Gelegentlich sind die Hauben nur aufgesteckt und können mit einer Pinzette abgezogen/-gehebelt werden. Oft sind die Abschirmhauben mit der Platine verlötet.

An dieser Stelle kommt die  Heißluft zum Einsatz. Spanne deine Platine in den Platinenhalter ein. Schütze Kunststoffteile bei Bedarf mit dem Aluminiumklebeband. Stelle dein Heißluftgerät auf maximalen Luftstrom und maximale Temperatur. Führe die Heißluft mit der Düse über die Abschirmhaube, die du entfernen willst. Nutze die Pinzette, um mit wenig Kraft an der Haube zu ziehen.

So viel Kraft wirst du aber nicht benötigen. Das entscheidende ist hier die Temperatur. Erwärme die Platine gleichmäßig und ganzflächig. Durch die starke Erwärmung dehnt sich das Metall der Haube aus. Wenn sich die ersten Lötstellen verflüssigen, hörst du anhand eines leichten Knacken, dass sich die Haube entspannt. Abhängig von der Haubengröße, sollte sich diese jetzt schrittweise bzw. ganz  abheben lassen.

Ultraschall

Die Reinigung im Ultraschallbad hat einen großen Vorteil. Der Ultraschall bzw. der Effekt der Kavitation erzielt auch eine Reinigung unter den Bauteilen. Die auf den Platinen verwendeten BGA-Bauteile (BGA = Ball Grid Array) sind von unten verlötet. Das Heißt die Lötstellen sitzen zwischen Bauteil und Platine. Mit einem Pinsel gelangt man da nicht zwischen, Ultraschall jedoch schon.

Die Ultraschallwellen versetzen das Wasser in Schwingung. Kleine Bläschen entstehen genau dort, wo sich Verunreinigungen befinden. Die Bläschen implodieren und erzeugen dabei einen sehr hohen Druck von mehreren 100 MPa (=1000 Bar). Dieser Druck wiederum löst die Schmutzpartikel. Das Ganze passiert auch  unter den Bauteilen und zwischen den vielen Lötpunkten, sofern dort auch die Reinigungsflüssigkeit hingelangt.

Abb. 4 - Platine des iPhone 5s vor der Reinigung des Wasserschadens

Abb. 4 – Platine des iPhone 5s vor der Reinigung des Wasserschadens

Reinigung

Die Platine ist vorbereitet und du kannst mit der Reinigung beginnen. Stelle das Ultraschallbad bereit und setze die Reinigungslösung aus destilliertem Wasser (frei von Mineralien) und der Reinigungsflüssigkeit auf. Das Mischungsverhältnis entnimmst du der Packungsbeilage des Reinigers. Befülle das Ultraschallbad mit der Lösung und erwärme diese dann auf ca. 60°C.

Sobald die Flüssigkeit die gewünschte Temperatur erreicht hat, kann die Platine mit in den Korb gelegt und der Korb in das Bad eingehangen werden. Die Platine soll dabei mit einer Seite Flach im Korb liegen. Stelle die Zeit für die Ultraschallbehandlung auf 10 Minuten. Ist die Zeit abgelaufen, wende die Platine, sodass jetzt die Unterseite oben liegt und behandle sie weitere 10 Minuten.

Während die Platine im Ultraschallbad gereinigt wird, kannst du dir eine Wanne nehmen und diese soweit mit destilliertem Wasser befüllen, dass die Platine komplett vom Wasser bedeckt ist. Nach der Ultraschallbehandlung spülst du deine Platine in diesem Bad durch und kannst groben Schmutz zusätzlich mit dem Pinsel abbürsten. Das destillierte Wasser nimmt die Verunreinigungen auf, fügt jedoch keine weiteren hinzu.

Dann folgt eine weiterer Reinigungsschritt mit Alkohol. Isopropanol hat die Eigenschaft, Wasser zu verdrängen bzw. dieses mit zu verdunsten. Das bedeutet, dass du das destillierte Wasser aus dem vorherigen Schritt komplett entfernst. Den Alkohol trägst du am besten mit dem Pinsel auf und bürstest auch hier noch einmal.

Jetzt solltest du dein Gerät mit Druckluft gründlich aber vorsichtig von Restflüssigkeit befreien. Danach legst du die Platine eine Weile zum Trocken an einen warmen Platz. Wende auch hier wieder ab und zu die Platine.

Du solltest den Reinigungseffekt (Abb. 5) schon mit dem bloßen Auge erkennen können. Es sollten sich keine Ablagerungen mehr auf der Platine befinden und der Großteil der Bauteile, Lötstellen und metallischen Flächen sollte im neuen Glanz erstrahlen.

Spannung

Nachdem die Platine mit besten Wissen und Gewissen gereinigt und getrocknet ist, kannst du den ersten Versuch starten. Setze die Platine provisorisch in dein Gerät ein. Du brauchst dabei nur die wichtigsten Elemente anschließen:

  • Display mit Touch- und LCD-Connector
  • Power/Standby-Button
  • USB-Buchse/Lightning-Connector
  • Akku (am besten einen neuen)

Sollte dein Gerät jetzt schon warm oder sogar heiß werden, befindet sich noch ein Kurzschluss auf der Platine. Wenn nicht, versuche einen Startvorgang. Mit etwas Glück kannst du gleich wieder auf deine Daten zugreifen.

Ist der Versuch erfolgreich, bringe die Abschirmhauben wieder an der Platine an, Setze das gesamte Gerät mit allen Antennenleitungen, Schutzfolien und Elementen zusammen und teste dann alle Funktionen durch:

  • Displayhelligkeit und Ausleuchtung
  • Touchfunktion
  • Power/Standby-Button
  • Sensortasten/Home-Button
  • Lautstärkewippe, Stummschalter
  • Mobilfunk, WLAN, Bluetooth
  • Ladebuchse, Synchronisation mit dem PC/MAC
  • Hörmuschel, Lautsprecher, Kopfhörer
  • Sprach und Umgebungsmikrofon
  • GPS, Kompass

Funktioniert alles, hast du Glück gehabt und kannst dein Gerät noch eine Weile nutzen. Denke aber immer daran: Der Schaden ist vorhanden und trotz der Reinigung arbeitet die Oxidation weiter. Du hast den Vorgang nicht komplett gestoppt, sondern nur (deutlich) verlangsamt. Mit der Zeit können Funktionen oder auch das Smartphone selbst ausfallen.

Abb. 5 - Platine des iPhone 5s nach der Reinigung des Wasserschadens

Abb. 5 – Platine des iPhone 5s nach der Reinigung des Wasserschadens

Flüssigkeitsschäden reparieren lassen

Wenn du deinen Wasserschaden auch reparieren möchtest oder noch Fragen dazu hast, kannst du uns gerne kontaktieren oder uns in einer unserer Filialen in Berlin oder Wien besuchen. Du kannst dein Smartphone auch gerne mit Hilfe unseres Auftragsformulars einschicken. Diese Reparatur ist allerdings recht aufwändig und benötigt einige Zeit.

Prüfe unsere aktuellen Preislisten um die für dich auftretenden Kosten zu erfahren. Am besten klärst du alle Details vorab telefonisch oder per Mail. Eine lebenslange Garantie auf diese Reparatur können wir aus den oben genannten Gründen leider nicht geben. Ist die Hauptplatine zu sehr beschädigt, bleibt der Schaden irreparabel. In diesem Fall berechnen wir eine Aufwandspauschale von 20 €. Wenn dir dieser Artikel gefallen oder sogar geholfen hat, dann hinterlasse uns doch auf Google eine gute Bewertung.